Heidelbeerconfi
Antworten von Valérie

Preis einer Heidelbeerkonfi

Immer mal wieder hören wir von unseren Gästen, unsere Produkte seien teuer. Kann schon sein: Wenn man unsere Produkte mit jenen im Grossverteiler vergleicht, sind wir fast immer teurer. Warum ist das eigentlich so? Wie setzt sich der Preis unserer Produkte zusammen?

Wir haben uns entschlossen, euch anhand eines Produktes aufzuzeigen, wie so ein Preis zu Stande kommt. Und zwar am Beispiel der Heidelbeerkonfitüre aus dem Hofladen.

Und wer keine Lust hat, das alles zu lesen: Es gibt ein Video dazu:

Im Hofladen verkaufen wir die Gläser à 220g für 5.90 Franken. Wir erklären in mehreren Schritten, was alles in den Preis mit einfliesst und wie man eben bei den 5.90 Franken landet. Beim Verständnis hilft eine Grafik, die wir als Übersicht erstellt haben.

1. SCHRITT: HEIDELBEEREN PRODUZIEREN - CHF 1.18 PRO GLAS

Die Heidelbeeren mussten wir als kleine Sträucher einkaufen. Auf dem Markt kriegt man 1 Strauch für ungefähr 15 Franken. Allerdings dauert es fünf Jahre, bis so ein Strauch im Vollertrag ist. Und bis dahin hat man jede Menge Arbeit, ohne einen Rappen dran zu verdienen.

Die Erstellung der Anlage auf dem Bächlihof hat etwa 150'000 Franken gekostet. Da musste man Gräben ziehen, Pfähle einschlagen und ein Vogel- und Hagelschutznetz drüber spannen. Da die Heidelbeeren gerne sauren Boden haben, wurden sie in Töpfen mit Spezialerde in den Boden gesetzt. Ein Bewässerungssystem wurde angeschlossen. Und eigentlich sollte man alle paar Wochen jäten. Oft kommt unser Obstbauteam aber nicht nach.

Am Ende sind es zahlreiche Stunden, die da in den Anbau der Heidelbeere mit einfliessen. So kommt man auf 11-12 Franken pro Kilo. Das sind allerdings die noch ungeernteten Heidelbeeren.

2. SCHRITT: KONFI KOCHEN - MATERIAL UND ARBEIT = CHF 3.16 PRO GLAS

ZUERST DAS MATERIAL

Wenn die Heidelbeeren dann in der Küche sind, müssen sie erst gewaschen werden. Natürlich braucht es für die Konfi noch Zucker und Pektin und etwas Zitronensaft. Das zusammen kostet 26 Rappen pro Glas.

Das Glas mit Deckel plus die Etikette kosten zusammen 33 Rappen.

Nun braucht man aber noch weitere Dinge zum Kochen, wie zum Beispiel Plastikhandschuhe oder Lappen. Also weiteres Kochmaterial, das es braucht, um die Konfi zu kochen, die aber nicht einzeln verrechnet werden können. Hierfür verwenden wir eine Pauschale als Annäherung, die so genannten «Materialgemeinkosten». Das sind etwa 10% von den restlichen Materialkosten. Materialkosten ist alles, was an Rohstoffen (Heidelbeeren, Zucker etc.) gebraucht wird.

Also:

Heidelbeeren 1.18 + Glas, Deckel, Etikette 0.33 + Zucker, Pektin, Zitronensaft 0.26 = 1.77. Davon 10% = 17,7 Rp. In diesem Fall belaufen sich die «Materialgemeinkosten» also auf 17 Rappen pro Glas (ja, wir haben abgerundet).

1.77 Franken plus die 17 Rappen gibt insgesamt CHF 1.94, die wir für Material verbraucht haben.

JETZT DIE ARBEIT

Aber das ist noch nicht alles, jemand muss die Konfi ja noch kochen. Hier kommen die so genannten «Erstellungskosten» ins Spiel. Also Kochen (32 Rappen), Abfüllen (27 Rappen), Etikettieren und weitere Arbeiten (22 Rappen). Und auch hier gibt es eine Pauschale für den Strom, das Wasser und die Amortisation der Maschinen. Das sind die «Fertigungsgemeinkosten» mit 41 Rappen pro Glas (50% der Erstellungskosten). Würden wir solche Kosten nicht mit einberechnen, würden wir im Gesamtbetrieb rückwärts machen.

Die Erstellung der Konfi kostet somit CHF 1.22.

Total sind wir jetzt bei CHF 3.16 pro Konfiglas.

3. SCHRITT: VERKAUFEN = CHF 1.44 PRO GLAS

Jetzt haben wir die Konfi gekocht, aber noch nicht verkauft. Erst wenn wir sie verkauft haben, ist unsere Arbeit bezahlt. Klingt blöd, ist aber so. Denn unsere Köche haben keine Zeit, während dem Kochen noch einzukassieren. Deshalb muss jemand im Laden stehen und die Waren verkaufen. Dessen Lohn muss auch bezahlt sein. Jemand muss die Konfi im Gestell auffüllen, der Laden musste auch mal gebaut werden (und wir machen den ja bekanntlich gerne besonders hübsch :-)). Da gibt es Kühlschränke und Lampen, die Strom brauchen.

Auch hierfür wird eine Pauschale verwendet, und zwar sind das 25% vom Verkaufspreis des Produkts, ohne Mehrwertsteuer: In unserem Beispiel also 5.90 – 14 Rappen MwSt. = 5.76 CHF. 25% davon sind CHF 1.44.

Jetzt haben wir die Selbstkosten für das Produkt beisammen.

Erstellung und Material 3.16 + Verkaufskosten CHF 1.44

= CHF 4.60 pro Glas.

4. SCHRITT: GEWINNBERECHNUNG - WAS ÜBRIG BLEIBT

Also warum verkaufen wir dann das Glas nicht einfach für CHF 4.70? Es stimmt, theoretisch könnten wir das machen.

Aber da gibt es im Betrieb noch einiges, was eben auch kostet. Jemand muss noch die Löhne bezahlen. Und diesen Bericht hätte niemand schreiben können, würden wir für die Kommunikation dafür nicht was vom Gewinn abziehen. Es gäbe keinen Spielplatz, keinen Streichelzoo, die WC’s wären nicht gereinigt, und so weiter.

Die oben genannten Kosten werden wieder über eine Pauschale abgedeckt. Und zwar sind das 7 % vom Verkaufspreis (ohne MwSt.) für Verwaltung und Marketing (40 Rp.), und weitere 7,5 % für allgemeine Infrastruktur (43 Rp.).

Also:

5.90 – Mehrwertsteuer (14 Rp.) = CHF 5.76

5.76 – Selbstkosten Heidelbeerkonfi (CHF 4.60) = CHF 1.16

1.16 – Verwaltung/Marketing (40 Rp.) = 76 Rp.

0.76 – Infrastruktur/Reinigung (43 Rp.) = 33 Rp.

 

33 RAPPEN SIND ALSO ÜBRIG...

…nachdem alles bezahlt ist.

Diese 33 Rappen pro Konfiglas könnten Beat und Martin Jucker für ihr privates Portokässeli auf die Seite legen. Das machen sie aber meistens nicht. In der Regel gibt es jede Menge neue Ideen und Projekte, die umgesetzt werden wollen (wie z.B. eine eigene HofBäckerei oder einen neuen Hofladen). Hier wird ein Grossteil des Geldes jeweils wieder in die Weiterentwicklung der Jucker Farm AG investiert.

2016 haben wir durch den Verkauf von Heidelbeerkonfi 245 Franken (741 Stk à 33 Rp.) für solche Investitionen übriggehabt. Klar. Da gibt es Produkte, an denen wir mehr verdienen. Aber im Fall der Heidelbeerkonfi sieht die Rechnung eben so aus.

Die 741 Leute, die eine Heidelbeerkonfi gekauft haben, haben also zum Beispiel ein Mitarbeiteressen für ca. 5 Leute bezahlt. Herzlichen Dank dafür!

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenns "brennt". Die Medienwissenschaftlerin hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet.

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