
Die Reise einer Kürbisfigur
Kurz erklärt:
- Bis eine Jucker Farm Kürbisfigur/ein Kürbiskunstobjekt entsteht, dauert es fast ein Jahr.
- Zuerst steckt die Kreativ-Taskforce die Köpfe zusammen, dann werden die Kunstobjekte von Künstler*innen zum Leben erweckt.
- Nach der Kürbisausstellung in der Schweiz kommen die Kunstobjekte ins Blühende Barock in Ludwigsburg und werden anschliessend in ganz Europa weitervermietet.
Jeden Herbst zieren wieder neue Kürbis-Kunstobjekte die Höfe der Jucker Farm. Aber nicht nur dort, sondern auch an der weltweit grössten Kürbisausstellung im Blühenden Barock in Ludwigsburg sowie an immer mehr Standorten in Europa.
Doch woher kommen sie eigentlich, diese Kürbisfiguren? Und wie kommen wir jedes Jahr auf diese Ideen?
Die Geburt - Kreativmeeting
Nach der Kürbisausstellung ist vor der Kürbisausstellung. Wenn der letzte Kürbis vom Platz ist, die Figuren im Lager stehen und die Tage wieder kürzer und dunkler werden, ist die Zeit gekommen, in sich zu gehen und zu planen, was nächstes Jahr an Kürbiskunst die Besucher*innen faszinieren soll.
Jahr für Jahr zieht sich die so genannte «Kreativ-Taskforce» für ca. 3 Tage an inspirierende Orte zurück, um sich in Ruhe zu grübeln, zu diskutieren und zu planen – sei es in den Bergen, im Schwarzwald, oder auch mal im Europapark. Es hat aber auch schon in Seegräben oder – wie während der Corona-Pandemie – komplett digital stattgefunden.
Bei dem Kreativmeeting wird jeweils gemeinsam entschieden, welches Thema im Folgejahr ausgestellt werden soll. Meist kommen die Leute schon mit diversen Ideen zum Meeting und es wird nur noch diskutiert, was am besten für das Folgejahr passt. Dann werden gemeinsam Ideen für die Kürbiskunstobjekte gesammelt.
Die Kreation – Im Wald bei Pit Ruge
Aus diesen Vorschlägen konzipiert Kreativchef Pit Ruge eine Auswahl an Figuren, die dann von der Kreativ-Taskforce abgesegnet werden. Wenn man sich einig ist, macht er sich daran, die entsprechenden Figuren zu planen und zu entwerfen. Danach verbringt er die Monate von Mai bis Juli praktisch durchgehend in seiner Waldwerft, wo er zusammen mit einem Team von anderen bildenden Künstlern die geplanten Figuren «Fleisch» (oder eben «Holz und Metall») werden lässt.
Mehr zu seiner Arbeit in der Waldwerft haben wir hier bereits beschrieben:
Das erste Ausstellungsjahr: Seegräben und Jona
Sind die Figuren fertiggestellt, werden sie mit LKWs von der Waldwerft in Deutschland direkt zu den Erlebnishöfen in Seegräben und Jona transportiert. Die Premiere eines neuen Kürbisausstellungsthemas ist immer in der Schweiz. Die Figuren werden auf den Juckerhof und den Bächlihof verteilt, bilden jedoch zusammen ein Thema.
So lohnt es sich für Besucher*innen, sowohl dem einen als auch dem anderen Hof im Herbst einen Besuch abzustatten. Die Ausstellungen in der Schweiz sind sozusagen auch eine Bewährungsprobe für das neue Kürbisausstellungsthema. Hier werden Erfahrungen gesammelt, wie sich die Figuren im Handling bewähren und wie die Rückmeldungen zum neuen Ausstellungsthema sind.
Anfang November kommt dann das Naturkunst-Team aus Deutschland, baut die Figuren ab und lernt dabei gleich, wie sie die Figuren in den Folgejahren an den nächsten Standorten am besten wiederaufbauen.
Nach dem Abbau reisen die Kunstobjekte nach Deutschland ins Lager «Affalterbach» im Kreis Ludwigsburg. Von dort aus kommen sie im Folgejahr ins Blühende Barock nach Ludwigsburg, wo die Ausstellung erstmals als Ganzes an einem Ort gezeigt wird.
Das zweite Jahr: Ludwigsburg
Häufig wird die Ausstellung in Ludwigsburg noch mit ehemaligen Figuren ergänzt, die gerade nicht vermietet sind und zum neuen Thema passen. Denn im «BlüBa» steht sehr viel mehr Platz zur Verfügung als auf den beiden Schweizer Höfen zusammen. Die Ludwigsburger Ausstellung bietet somit ein nie dagewesenes Kürbiserlebnis, das auch für Besucher*innen aus der Schweiz immer wieder eine Sensation darstellt.
«Die Kürbisfiguren wirken an jedem Ort komplett anders», erzählt Stefan Hinner. «Ich bin immer wieder erstaunt, was das Setting vor Ort ausmacht.»
Auch die Neuausstellungen in Seegräben und Jona werden – sofern es sich anbietet – mit ehemaligen Objekten ergänzt. So wurde zum Beispiel beim Dschungel-Thema zurückgegriffen auf die Pandabären aus dem Jahr 2006, den Schmetterling aus dem Jahr 2012, den Löwen aus dem Jahr 2013, den Skorpion aus dem Jahr 2007. Den Froschkönig aus dem Jahr 2008 bauten wir zu einem in seiner Grösse überdimensionierten Pfeilgiftfrosch um. Und das Glumanda, das 2025 bei der Ausstellung zum Thema «LET'S PLAY» auf dem Juckerhof steht, war bereits bei der Kürbisausstellung «Feuer» dabei.
Folgejahre: Europa-Tournee
Nach der Ausstellung in Ludwigsburg werden die Objekte bereits an den nächsten Ausstellungsort gebracht. Es gibt eine Reihe von regelmässigen Ausstellungsorten, die die Kürbisausstellungen in einer etablierten Reihenfolge durchführen.
An sämtlichen Standorten in Deutschland gibt es ein Winterlager, in dem die Objekte darauf warten, im Folgejahr ausgestellt zu werden. Der LKW bringt somit ein neues Thema, nimmt das alte Thema mit und bringt es an den nächsten Standort.
Restauration und weitere Einsätze
Haben die Kunstobjekte Ludwigsburg erst einmal verlassen, kehren sie erst nach einigen Jahren wieder dorthin zurück. Wenn die Figuren den Kreislauf der regelmässigen Kunden durchlaufen haben, stehen sie für neue oder unregelmässige Ausstellungskunden zur Verfügung.
Allfällige Wartungsarbeiten an den Figuren werden innerhalb ihrer «Tournee der regelmässigen Ausstellungen» immer vor Ort beim Aufbau der Ausstellungen als Notfallmassnahme vorgenommen. Wenn sie diesen fixen Kreislauf verlassen, erhalten sie im Lager in Affalterbach eine Grundsanierung durch unsere Naturkunst-Experten, bevor sie für weitere Einsätze zur Verfügung stehen.
Der Aufbau vor Ort
Nach der Anlieferung werden die Figuren durch langjährige Mitarbeitende der Abteilung Naturkunst aufgebaut, entweder in Anleitung von Pit Ruge selbst, Alisa Käfer oder Stefan Hinner.
Die Behängteams sorgen danach dafür, dass die richtigen Kürbisse an den richtigen Objekten hängen. Sie werden angeleitet durch Laura Ramsauer in Deutschland und Vasile Maris in der Schweiz. Diese Behängeteams bestehen meist aus einer bunten Mischung aus Schüler*innen, Studierenden oder Saisonmitarbeitenden.
Manche Naturkunst-Kunden übernehmen das Behängen ihrer Figuren aber auch gleich selbst und verpassen den Objekten so ihren eigenen Stil, was immer wieder neue, farbliche und kreative Impulse generiert.
Woher kommen die Kürbisse?
Die Kürbisse für die Ausstellungen werden entweder von unseren Kunden selbst angebaut, denn viele davon sind Bauernhöfe. Für alle anderen Kunden lässt das Naturkunst-Team die Kürbisse im Vertragsanbau möglichst Nahe am Ort der jeweiligen Ausstellung anbauen. So zum Beispiel in Erfurt, in Bad Lippspringe, in Limburg oder in Heidelberg. Für die Kürbisausstellung in Ludwigsburg übernimmt diese Aufgabe der Obsthof Eisenmann aus Marbach am Neckar, dessen Chef Jens Eisenmann ist.
Lange Zeit lautete die Devise, ausschliesslich Kürbisse aus dem Ausstellungsland zu verwenden. Für die Jucker Farm Höfe in der Schweiz ist das immer noch so und soll - nach einer unglücklichen Panne 2022 - auch so bleiben. Allerdings haben die klimatischen Bedingungen in den vergangenen Jahren eine termingerechte Ernte nicht mehr sicherstellen können.
Deshalb haben wir angefangen, uns für die externen Ausstellungen abzusichern. Für Ausstellungen unserer Kunden in Deutschland arbeiten wir mit einer «Früh-Reserve» aus portugiesischen Kürbissen. Diese müssen wir jeweils frühzeitig vorbestellen. Für diese Kürbisse bezahlen wir sogar noch mehr als an lokale Lieferanten. Aus Kostengründen geschieht dies also nicht. Sondern ausschliesslich deshalb, weil wir für unsere Ausstellungskunden im Ernstfall sicherstellen können, dass genügend Kürbisse vorhanden sind.
















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