Die Jucker-Saga - Teil 3

25. Mai 2018 Valérie

Der neue Stiefvater Hermann war also Segen und Fluch zugleich (Teil 2). Auch sonst waren die folgenden Jahre zwischen den beiden Weltkriegen kein Schleck. Schon gar nicht als Bauer…

Teil 1
Teil 2

Torf aus Seegräben

Landwirtschaft kommt von «Land bewirtschaften». Und genau dies tat man damals schon. In den Jahren während und nach dem ersten Weltkrieg habe der Nachbar Tobler im Riet zwischen Seegräben und Wetzikon noch Torf gestochen. Der verstorbene Vater Jucker hatte die trockenen «Turpen» mit Ochse und Wagen jeweils auf die Bahn geführt.

Torf war damals ein wichtiges Brennmaterial, insbesondere in der Zeit des Kriegs. Und zwar so wichtig, dass auch die Juckers ihre «schöne Wiese neben dem Ried» zum Trocknen des Torfs hätten zur Verfügung stellen müssen, wie es in der Chronik heisst. Glücklicherweise entging man der unbequemen Situation: «Dank dem, dass der Krieg zu Ende ging, war unsere Familie von dieser grossen Sorge befreit», schreibt Walter Jucker.

Bescheidenes Leben

Die Jahre zwischen den Weltkriegen waren für alle Leute schwere Zeiten. Viele Arbeitslose mit wenigen staatlichen Beihilfen. Der Verdienst für Arbeiter und Bauern war klein. Für 50 kg Kartoffeln erhielt man 5.-. Das sind 10 Rp. das Kilo. Für Mostobst gab es 3 bis 5 Rappen pro Kilogramm. Obwohl die Familie Jucker ihre Äpfel meist gut verkaufen konnte, mussten sie sehr sparsam leben. «Während der Woche strichen wir Confitüre oder Apfelmus auf unser Brot. Am Sonntag schätzten wir das Butterbrot», heisst es in der Familienchronik.

Auch folgende Aussage zeigt ziemlich gut, wie der Lebensstandard damals war. Für die meisten Leute heute undenkbare Zustände: «Von den Notschlachtungen der Viehversicherung mussten wir öfters Fleisch holen. Es war meistens Fleisch von älteren Tieren. Zum Einmachen oder Gefrieren hatten wir damals noch keine Möglichkeit. Am ersten Tag gab es meistens Siedfleisch. Am zweiten Tag wurde der Rest gehackt und mit Brot und Bölle und Gewürz vermischt. Mit Kartoffeln und Apfelmus brachte auch ich das Fleisch hinunter. (…) 1934 machte ich einen Besuch bei der lieben Familie Wagner in Winterthur. Sie hatten für mich so feine Fleischplätzli gekocht. Es schämt mich noch heute, wie ich diese Kalbsplätzli genoss», schreibt Walter Jucker. Was heute für viele eine Selbstverständlichkeit ist, war damals ein seltener Luxus.

Einfacher Znüni in der Pause.
Das Wohnhaus der Juckers mit dem grossen Garten. Ein wichtiger Teil der Selbstversorgung.

Schlimmes Unwetter

Als schlimmstes Unwetter seines Lebens (im Jahr 1992) beschreibt Walter Jucker einen Sturm im August 1923. Walter Jucker dürfte damals ca. 8 Jahre alt gewesen sein:

«Abends, zirka um 5 Uhr wurde es nach einem schwülen Tag fast dunkel. Wir Kinder waren mit der Grossmutter in der Stube. Plötzlich wurde es noch dunkler. Vor den Fenstern fielen Ziegel und Gelten. Von der Stubendecke kam Wasser, ein Wirbelsturm hatte ob dem Wohnhaus ein grosses Stück Ziegel abgedeckt, und das Kamin umgelegt.

Ein Nachbar konnte von seinem Arbeitgeber, der Giesserei Honegger Blachen entlehnen. Damals hatten höchstens Fabrikanten Blachen. Bis spät in die Nacht waren der Stiefvater und Nachbarn auf dem Hausdach. Einige Tage durften wir wegen Feuergefahr den Kochherd nicht brauchen. (…) 40 grosse Apfel- und Birnbäume lagen am Boden. Motorsägen gab es noch keine. Als 8-jähriger Knabe musste ich öfters helfen».

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Die Zeit verging, und irgendwann war auch Walter Jucker gross und fing an, sich für Frauen zu interessieren. Wie er Beats und Martins Grossmutter kennenlernte, und wie die junge Familie ausgerechnet während des Krieges anfing zu wachsen, lest ihr im nächsten Teil…

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