nachhaltige Produktion
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Was bedeutet nachhaltige Produktion?

Die Landwirtschaft steht im Fokus und die landwirtschaftliche Arbeit wird zurzeit so stark hinterfragt wie noch nie. Zu Recht. Denn der Fokus der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten lag primär darin, das Maximum aus den Böden zu holen. Wir wurden (und werden!) ja auch immer mehr Menschen.

Nun treten die negativen Folgen dieser Intensivierung zutage: Ausgelaugte Böden, verschmutzte Gewässer, Pestizidrückstände, die man da nicht haben möchte und mancherorts auch Tierleid. Lange Zeit wurde hier nicht hinterfragt. Oder schon gar nicht kommuniziert. Doch wir befinden uns in einem Wandel und die Zeiten haben sich geändert. Ausführlicher dazu geschrieben haben wir hier: «Vermittlungsversuch zwischen Landwirtschaft und Konsumenten» vom 18. Januar 2020.

Die Gesellschaft befindet sich mitten in einem Diskurs, wie wir in Zukunft produzieren wollen. Dass es für nachfolgende Generationen funktionieren soll, darüber ist man sich eigentlich einig. Man möchte also nachhaltig produzieren.

Doch was macht sie eigentlich aus, eine nachhaltige Produktion? Wir legen unsere Sichtweise als Betrieb dar.

(Wer Videos der Lektüre vorzieht, wird hier glücklich):

Was bedeutet nachhaltige Produktion für uns?

«Nachhaltige Produktion ist für mich, wenn Ökologie und Ökonomie im Gleichgewicht sind», sagt Stefan Bächli, landwirtschaftlicher Fachberater über alle Höfe bei Jucker Farm. «Immer wenn du etwas tust, und sei es nur einen Baum zu pflanzen, greifst du in die Natur ein. Und dann musst du überlegen – ist das nachhaltig? Wie ist das für kommende Generationen? Hinterlässt du Spuren, die bleiben und gut sind, oder hinterlässt du Spuren, die Schaden verursachen».

Nachhaltigkeit ist für Bächli nicht an ein Label geknüpft, sondern eine innere Einstellung, mit der er seine tägliche Arbeit ausübt. Die sei viel wichtiger, als irgendein Label. «Den Bio-Gedanken an sich finde ich gut. Aber ich habe Mühe mit der industrialisierten Bio-Produktion. Hier gibt es Berufskollegen, die einfach blind die Richtlinien einhalten, sich aber nicht fragen, ob ihr Handeln als Ganzes noch nachhaltig ist. Der Effekt auf die Natur ist wurscht, solange der Kunde das kriegt, was er will».

Nachhaltigkeit ist eine Einstellung, kein Label

Als Beispiel nennt Stefan Bächli den Bio Gala Apfel, der bei Kunden sehr beliebt ist, aber auch sehr viel Pflanzenschutz benötigt. Bei solch anfälligen Sorten führt auch eine Bio-Produktion zu schädlichen Emissionen. Bio allein reicht eben nicht. Bächli sieht das Thema ganzheitlicher.

Beispielsweise ersetzt er laufend alte, anfällige Kulturen durch neue, resistente Sorten. «Mittlerweile bauen wir auf unseren Höfen ca. 50% resistente Sorten an, die viel weniger Pflanzenschutz benötigen», erklärt Stefan Bächli. Das halten wir für die bessere Lösung, als mit Scheuklappen anfällige Sorten nach dem Bio-Standard zu produzieren.

Produktion gewährleisten – aber gesund

Auch in der Produktion auf dem Spargelhof in Rafz setzt man sich mit dem Thema aktiv auseinander: «Wir schauen aktuell, wie wir die Unkrautbekämpfung bei den Heidelbeeren nur noch mit mechanischen Massnahmen bewältigen können», sagt Raphael Peterhans vom Spargelhof in Rafz, «wir setzen auch je länger je mehr auf biologische Mittel. Und das ist nicht, weil wir das vorher nicht wollten, sondern weil mittlerweile genügend effektive Mittel zur Verfügung stehen». Er sieht es relativ pragmatisch: «Eine nachhaltige Produktion ist das, was sinnvoll und was zielführend ist zur gesunden Nahrungsmittelproduktion», sagt Peterhans. Das klingt nach einer abgedroschenen, etwas vagen Floskel. Doch er meint es genau so.

«Ich möchte nicht etwas machen, hinter dem ich nicht stehen kann. Ich möchte eine transparente, ehrliche Landwirtschaft betreiben.»

Stefan Bächli, Obstbauer

Denn der Job der Bauern ist es, gesunde Nahrungsmittel zu produzieren und in unserem heutigen System eine stabile Nachfrage langfristig zu gewährleisten. Das ist die Realität, in der sich Raphi und Stefan Tag für Tag bewegen. Das gelingt ihnen gut, mit den bisherigen Methoden, die jetzt aber gesellschaftlich in Frage gestellt werden.

Bauern haben grundsätzlich kein Interesse daran, ihre Produktionsgrundlage längerfristig zu ruinieren. Und deshalb sind sie bestrebt, ihre Mittel sorgfältig einzusetzen und immer wieder nach neuen, nachhaltigen Lösungen zu suchen.

Ein gutes Gewissen als Massstab

Gut möglich, dass wir als Jucker Farm hier eine etwas besondere Position einnehmen. Gut möglich, dass wir anders ticken als andere Bauern. Jucker Farm ist konzeptionell privilegiert, weil wir unsere Produkte – auch 2. Klasse-Produkte – auch in grösseren Mengen selber vermarkten und weiterverarbeiten können und deshalb nicht dem gleich hohen Druck ausgesetzt sind, perfekte Lebensmittel zu produzieren. Vielleicht ist es auch einfach ein Privileg, sich solche Fragen überhaupt stellen zu können.

Und doch glauben wir, dass viele Bauern so ticken wie Stefan Bächli, egal ob Bio oder nicht: «Ich möchte nicht etwas machen, hinter dem ich nicht stehen kann. Ich möchte eine transparente, ehrliche Landwirtschaft betreiben. Und ich glaube auch, dass ich - so wie ich Pflanzenschutz einsetze - das gut mache. Meine Kinder können nebenan auf dem Trampolin springen, ich kann in den Anlagen arbeiten. Da habe ich eigentlich ein gutes Gewissen. Und dass wir neuen Innovationen und Erkenntnissen konsequent nachgehen, das verspreche ich nicht nur meinen Kunden, sondern auch mir selber».

FarmTicker Autorin Valerie Sauter Valérie Sauter

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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