
Äpfel anbauen ohne Herbizid
Der Apfel gehört zu den meistkonsumierten Obstsorten in der Schweiz. Pro Kopf schnabulierte die Bevölkerung letztes Jahr knapp 11 Kilo, wie der Agrarbericht 2025 zeigt. Das ist mindestens ein Apfel pro Woche. Geschlagen wird das einheimische Kernobst nur knapp von der Banane.
Entsprechend gross ist auch die Anbaufläche für Äpfel in der Schweiz. 2024 lag sie bei gerundet 3624 Hektaren. Auch Jucker Farm ist im Apfel-Business. Auf dem Juckerhof in Seegräben und dem Bächlihof in Jona wachsen auf 8 Hektaren über 30 verschiedene Apfelsorten. Wie bei all unseren Kulturen setzen wir auch beim Apfelanbau auf regenerative Landwirtschaft.
Damit sind wir einer der wenigen Betriebe. Am häufigsten verbreitet sind hierzulande der Anbau nach ökologischem Leistungsnachweis (ÖLN), nach IP-Suisse und der Bio-Anbau.
Viel Pflanzenschutz für makellose Äpfel
Regenerativ angebaute Äpfel zu produzieren, ist keine leichte Angelegenheit. «Es ist eine Kultur, die fast am meisten Pflanzenschutz braucht. Man hat sie lange hochgezüchtet», erklärt Stefan Bächli, Obstbauchef auf dem Bächlihof. Kaum hat man einen Schädling oder Pilz im Griff, taucht schon wieder der nächste auf. Ausserdem seien es die Konsument*innen nicht mehr gewohnt, Äpfel mit kleinen optischen Mängeln zu kaufen. «Der Tafelapfel muss perfekt daherkommen und darum gibt’s sehr viele Anwendungen, die gemacht werden.»
Das Thema makellose Lebensmittel hat auch Martin Jucker in seiner Kolumne für nau.ch thematisiert.
Zu 100% ohne Chemie kommen wir bei den Äpfeln darum auch aktuell noch nicht aus. Aber wir konnten in den mittlerweile knapp 5 Jahren regenerative Landwirtschaft schon zünftig reduzieren. Diese Massnahmen setzen wir im Apfelanbau ein:
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Fadengerät statt Herbizid

Die Jucker Farm Äpfel werden komplett herbizidfrei angebaut. Bei uns geht es dem Unkraut mit dem Fadengerät an den Kragen. Dieses Gerät hat eine mit Fäden bestückte Spule, die durch ihre Drehung das Un- und Beikraut oberflächlich abschlägt.
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Rückstandsfreie Äpfel

Unsere Äpfel sind frei von Pflanzenschutzmitteln, obwohl bei uns – wenn es nicht anders geht – solche Mittel zum Einsatz kommen. Erreicht haben wir das, indem wir die Apfelbäume nur bis zur Blüte falls unbedingt nötig chemisch behandeln. Sobald sich Früchte bilden, stellen wir komplett auf Bio um. Im Schweizer Handel sind aktuell Rückstände von bis zu 5 unterschiedlichen Pflanzenschutzmitteln erlaubt.
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Grösstenteils Verzicht auf Insektizid

Wir können häufig auf Insektizid verzichten. Allerdings ist der Schädlingsdruck in manchen Jahren so hoch, dass wir noch nicht komplett ohne auskommen. Statt auf Insektizid setzen wir auf die Verwirrungstechnik und setzen Viren ein, die nur spezifische Schädlinge angreifen. Auch die Förderung von Nützlingen hilft uns bei der natürlichen Schädlingsbekämpfung.
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Tiere in der Obstanlage

Eines der 5 regenerativen Prinzipien ist die Integration von Tieren. Uns helfen die Hühner und Schweine auf dem Bächlihof beim Aufräumen nach der Ernte. Sie mampfen liegengebliebene Äpfel und scharren den Boden ein bisschen um. Ausserdem fördern sie den Laubabbau und es hat weniger Mäuse in der Anlage, weil die Schweine ziemlich laut auf dem Boden herumtrampeln. Zusätzlich sorgen die Tiere für extra Dünger in der Anlage.
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Weniger Kunstdünger

Den Einsatz von Kunstdünger konnten wir seit der Umstellung stark verringern. Die Kombination aus permanenter Bodenbedeckung, dem Einsatz von Tieren und weiteren Massnahmen führte dazu, der Boden selbst in der Lage ist, mehr Stickstoff zur Verfügung zu stellen.
Der Apfel als anfälliges Gewächs kann von vielen Pilzkrankheiten und Schädlingen befallen werden. Dazu gehören unter anderem Schorf, Mehltau, diverse Blattkrankheiten, der Apfelwickler und, seit die Winter wärmer sind, auch die Kirschessigfliege und die Mittelmeer Miniermotte.
Robuste Sorten sind besser, aber …
Zwar werden immer wieder neue Apfelsorten gezüchtet, die resistenter sind, allerdings ist eine Apfelanlage – anders als ein Weizenfeld – eine lange Verpflichtung. Wer seine Bäume einmal gepflanzt hat, walzt sie nicht im nächsten Jahr nieder und beginnt von vorn. Bei Jucker Farm bleiben die Apfelbäume 12-15 Jahre stehen. Auch das macht die Umstellung auf ein regeneratives System knifflig.
Wie Stefan Bächli selbst erfahren hat, sind robuste Apfelsorten zwar generell besser für die regenerative Landwirtschaft geeignet, aber eben nicht ganz alle. Die bei uns wachsende Sorte Ladina etwa, bekommt von der permanenten Bodenbedeckung Kragenfäule. Das bedeutet, dass die Feuchtigkeit von Gras, Klee und Co. den Baum unten an der Veredelungsstelle zwischen Wurzeln und Stamm faul werden lässt. Die Konsequenz: 30% Baumausfall.
Mehraufwand, der sich auszahlt
Dieses Beispiel zeigt: Nicht alles, was in den weitverbreiteten Anbausystemen gut funktioniert, gilt auch in der regenerativen Landwirtschaft. Für Stefan Bächli und unsere anderen Landwirt*innen bedeutet das viel ausprobieren, Geduld haben und den Mehraufwand, den dieses System aktuell mit sich bringt, in Kauf nehmen.
Warum machen wir das Ganze, wenn es so viel mehr Aufwand bedeutet? Weil wir überzeugt sind, dass die regenerative Landwirtschaft für die Umwelt, die Konsument*innen und für uns als Betrieb der richtige Weg ist. Denn wie Stefan Bächli sagt: «Alles, was man an Pestiziden etc. weglassen und ersetzen kann, empfehle ich. Denn wir wissen nicht genau, welche Konsequenzen Mittel, die heute breitflächig eingesetzt werden, in 20 Jahren haben werden.»
Wie uns Äpfel und andere saisonale Obst- und Gemüsesorten dabei helfen können, gut und gesund durch den Winter zu kommen, erfährst du im Beitrag von unserem Content-Partner Soil to Soul:
Jucker Farm und Soil to Soul
Bei Jucker Farm betreiben wir Landwirtschaft, die dem Boden und damit auch den Menschen gut tut. Immer wieder experimentieren wir darum mit neuen Anbauweisen. Unser so angesammeltes Wissen teilen wir gerne. Deshalb freuen wir uns sehr über die Content-Partnerschaft mit Soil to Soul. Gemeinsam setzen wir uns für eine Landwirtschaft ein, die nicht nur den Boden respektiert, sondern auch die Menschen, die von ihm leben.
Als Wissensplattform stellt Soil to Soul wertvolle Informationen für Konsument*innen, Produzent*innen und die Gastronomie rund um Bodengesundheit und Ernährung zur Verfügung, organisiert Events, vernetzt relevante Akteure und motiviert zum nachhaltigen Handeln.
Jucker Farm und Soil to Soul verbindet die gemeinsame Vision: Ernährung beginnt im Boden – und gesunde Böden sind die Grundlage für gesunde Menschen.











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