Verschorfter Apfel by Petra Hager
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Pflanzenkrankheiten 1: Schorf

Neben allen Schädlingen, die wir bisher hier auf FarmTicker vorgestellt haben, gibt es auch jede Menge Pflanzenkrankheiten, die dem Obstbauern zu Schaffen machen. Von alledem steht der Schorf wohl zuoberst auf der Liste. Warum das so ist, und was man gegen Schorf tun kann, das lest ihr in diesem Artikel.

Was ist Schorf?

Schorf (Venturi inaequalis für Äpfel bzw. Venturi pirina für Birnen) ist eine Pilzkrankheit und betrifft vor allem Kernobst.

Dabei befällt der Pilz die grünen Blätter, Blütenblätter, aber auch kleine Triebe und die Früchte. Meist tauchen auf den Blättern braun-schwarze Flecken auf. Bei starkem Befall vertrocknen die Blätter und fallen vorzeitig ab. Befallene Jungfrüchte können sich nicht richtig weiterentwickeln und fallen ab. Bei einem starken oder frühzeitigen Befall kann es also sein, dass es schon gar keine Äpfel gibt. Sind die Jungäpfel beim Schorfbefall schon grösser, entwickeln sie eine krüppelige Form.

Blatt mit Schorf-Flecken by Petra Hager
Schorf auf dem Blatt äussert sich in schwarzen Flecken (Bild: Petra Hager, Obstbauchefin Juckerhof)

Wenn der Schorfbefall später, an den fast ausgewachsenen Äpfeln eintritt, werden die befallenen Stellen einfach «verkorkt». Solche Äpfel kann der Obstbauer nicht mehr als Tafeläpfel verkaufen. Allerdings wären sie trotzdem geniessbar. Zur Mostproduktion kann man sie immer noch verwenden. Nur kriegt der Bauer für einen Mostapfel ca. 24 Rappen, während er für einen perfekten 1. Klasse-Apfel 1.20 CHF kriegen würde. Das wäre also noch ein Viertel des Umsatzes, den er mit Äpfeln machen könnte.

Es kann auch sein, dass sich der Schorfbefall erst bei der Lagerung auswirkt. Befallene Lageräpfel halten sich schlechter.

«Nach dem Schorf wird die gesamte Pflanzenschutzstrategie ausgelegt»

Stefan Bächli, Obstbauer

Welche Apfelsorten kriegen Schorf?

Besonders anfällig für Schorf sind die Sorten Golden Delicious, Gala, Breaburn, Pink Lady, Diwa, Elstar, Rubinette und Jonagold. Also die klassischen Sorten, die man bei den Detailhändlern vorwiegend kriegt. Und weil sie an den Detailhandel makellos verkauft werden müssen, sind umfassende Pflanzenschutzmassnahmen nötig. Und zwar im konventionellen wie auch im Bioanbau.

«Nach dem Schorf wird die gesamte Pflanzenschutzstrategie ausgelegt», sagt Stefan Bächli, leitender Obstbauer bei Jucker Farm. Denn schon ein leichter Befall kann  unbekämpft zu grossen Vertragseinbussen führen. Zudem überträgt sich Schorf sehr leicht auf gesunde Bäume.

Der Schorfpilz überwintert in totem, organischem Material (z.B. abgestorbene Blätter, Triebe etc.) Bei Regen verspritzen die auftreffenden Regentropfen die Pilzsporen auf die gesunden Pflanzen. Das ist meist von Ende März bis Ende Mai der Fall. Durch weiteren Regen oder durch den Wind werden die Pilzsporen von da in der ganzen Anlage weiterverbreitet.

«Wenn man gar nichts tut, riskiert man bis zu 80 % Ertragseinbussen»

Stefan Bächli, Obstbauer

Was kann man gegen Schorf tun?

Hier unterscheiden sich die Massnahmen in privaten Gärten stark von denen eines Obstbauern, der vom Apfelanbau lebt. Hier erklärt Bächli, was Schorfbekämpfung für ihn bedeutet: «Grundsätzlich sind Schorfsporen in modernen Anlagen allgegenwärtig. Das ist vor allem so, weil man anfällige Sorten wie Gala heute in Monokulturen anbaut. Würde man GAR nichts tun, riskiert man je nach Wetterlage Ertragseinbussen von bis zu 80%.»

Gerade WEIL Schorf in Monokulturen so leicht übertragen wird, ist eine gute Pflanzenschutzplanung essenziell. Das bedeutet halt leider: Spritzen. «Was passiert, wenn man es nicht tut, sieht man, wenn man die Spritze beim Einfahren in die Reihe etwas zu spät ein- oder zu früh wieder ausschaltet. Wenige Tage später haben die dadurch nicht gespritzten Bäume Schorfflecken an den Blättern», sagt Bächli.

Unter Einbezug der Wetterprognosen erstellt Bächli einen «Spritzplan». Das tut übrigens auch ein Biobauer, nur dass er teilweise andere Mittel verwendet.

Generell setzt die Pflanzenschutzstrategie auf Präventivbehandlungen, die verhindern sollen, dass sich die Pilzsporen überhaupt festsetzen können. Die Palette reicht von Tonerdepräparaten, über chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bis hin zu moderneren Pflanzenstärkungsmitteln aus Algen, die das Immunsystem der Pflanze kräftiger machen sollen.

Ein erster Spritzdurchgang erfolgt im März, um die austreibenden Knospen zu schützen und dann als Faustregel ab April ca. alle 10 Tage, bis vor der Ernte. Mit Bio-Mitteln sind bis zu doppelt so viele Fahrten nötig, da diese Mittel schneller wieder auswaschen. Generell gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Denn diese Pflanzenschutzmittel sind auch nicht günstig…

Verschorfter Apfel by Petra Hager
Verschorfter Apfel (Foto: Petra Hager, Obstbauchefin Juckerhof)

Weitere Massnahmen gegen Schorf

Neben den gängigen Pflanzenschutzmitteln trifft der Obstbauer weitere Massnahmen zur Eindämmung von Schorf.

  • Im Herbst entfernt er das Falllaub mit einem Laubsauger, oder beschleunigt deren Verrottung, damit sich da keine Schorfsporen festsetzen können. Dies tut er, indem er das Laub verkleinert und durch Mulchen in den Boden einbringt.
  • Kupfer wird nur sparsam verwendet, zur Schonung der Regenwürmer, die das Falllaub zersetzen.
  • Die Baumkrone wird ausgelichtet, damit die Blätter schneller austrocknen können (Reduktion der so genannten «Blattnassdauer»)

Da Schorf besonders bei nassen Bedingungen gut gedeiht, würde zur Schorfprävention ein Regendach oder ein Folientunnel helfen. Dieser würde jedoch wiederum Mehltaubefall fördern.

Doch es gibt noch einen anderen Weg…

«Am besten wäre es natürlich, einfach schon gar keine schorfanfälligen Sorten wie Gala und Co. anzubauen»

Stefan Bächli

Zeit für einen Wechsel

Schorf ist erst ein Problem, seit es hochgezüchtete Sorten in Monokulturen gibt. Der moderne Kunde und seine Ansprüche an einen Apfel sind ebenfalls höher als früher. Heute landen nur noch absolut makellose Äpfel im Warenkorb.

Am besten wäre es natürlich, einfach schon gar keine schorfanfälligen Sorten wie Gala und Co. anzubauen (Hört auf, Gala zu essen). So wie es Bächli seit Jahren angefangen hat. Aber auch er hat auf dem Jucker- und Bächlihof noch einige «klassische» Sorten, die er jedoch «auslaufen» lässt.

«Es braucht auch Kunden, die Bescheid wissen und dementsprechend einkaufen»

Stefan Bächli

Die berechtigte Frage lautet nun, warum Obstbauern denn solche Sorten überhaupt noch anbauen. Aktuell ist das noch so, weil die meisten Obstbauern ihre Äpfel nicht selber direkt verkaufen, sondern auf den Verkauf über die Grossverteiler angewiesen sind. Und der Kunde im Grossverteiler kauft die Sorten, die er kennt, und das sind nun einmal Gala und Co. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Zudem werden Bäume im Obstbau jeweils für mehrere Jahrzehnte gepflanzt. Eine Umstellung von heute auf morgen ist nicht möglich und bestehende Bäume können nur schrittweise ausgetauscht werden. Aber man ist dabei umzustellen. Aber es braucht auch Kunden, die Bescheid wissen und dementsprechend einkaufen.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet (Zum Portrait).

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