Maisfeld Monokultur
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Was ist eine Monokultur?

Monokultur ist schon fast zu einem Schimpfwort geworden. Zum Sinnbild der grossen, brutalen Landwirtschaft, die nichts mehr mit bäuerlichen Idyll zu tun hat. Monokultur, das sind endlose Reihen an gleichaussehenden Bäumen, bewirtschaftet durch wahnsinnig grosse Maschinen (mehr dazu in den Artikeln zum Palmöl und zur Avocado).

Doch was bedeutet das genau, «Monokultur»? «Mono» bedeutet auf Griechisch «einzig», oder «allein». Wörtlich übersetzt bedeutet Monokultur, eine Kultivierung von Gleichem.

Monokultur in der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft scheint es unterschiedlich eng gefasste Definitionen von Monokultur zu geben. Streng genommen wird fast jede landwirtschaftliche Kultur, wie man sie heute kennt, in Monokultur angebaut. Doch hier scheiden sich die Geister. Kein Landwirt spricht gerne von einer Monokultur, denn der Begriff ist negativ behaftet. Dazu später mehr.

Die in der Landwirtschaft gängigste Handhabung des Begriffs definiert Monokultur dadurch, ob auf einem Feld Fruchtfolgen eingehalten werden oder nicht. «Die hiesigen landwirtschaftlichen Kulturen haben mit den riesigen Soja- oder Reisplantagen in Asien oder Südamerika nicht viel zu tun», sagt Jucker Farm Mitinhaber Walter Pfister.

Gemäss seiner Definition spricht man erst von einer Monokultur, wenn über mehrere Jahre immer und immer wieder das Gleiche angebaut wird. Bei Jucker Farm gibt es das nicht. Nur schon zur Erfüllung des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) dürfen z.B. auf dem Spargelhof Rafz maximal zweimal innert 7 Jahren auf dem gleichen Feld Kürbisse angebaut werden.

Der radikalste Gegensatz zur Monokultur ist die Mischkultur, bei der auf einem Acker mehrere verschiedene Kulturen angebaut werden.

Auch auf die Grösse kommt es an

Nichtdestotrotz - in der Schweizer Landwirtschaft und bei Jucker Farm sind Mischkulturen nicht die Regel. Auch wenn die Fruchtfolgen eingehalten werden: Es werden felderweise einzelne Kulturen angebaut. Doch während sich die durchschnittliche Feldgrösse in der Schweiz in etwa zwischen 1 und 2 Hektaren bewegt, schätzt Pfister diese in Deutschland etwa auf das 10-, in den USA sogar auf das bis zu 100-fache. Dies sei in der Schweiz wegen der schieren Kleinräumigkeit gar nicht möglich. Hier herrscht von Natur aus eine gute Durchmischung unterschiedlicher Kulturen.

Eine objektive Grössengrenze zur Monokultur gibt es nicht. «Für mich ist alles unter einer halben Hektare sicher keine Monokultur, eine Fläche von 4 Hektaren aber schon», sagt Stefan Bächli, Obstbauer bei Jucker Farm. Doch dies dürfte ein deutscher oder amerikanischer Bauer wieder ganz anders empfinden.

Doch warum ist das Wort Monokultur so negativ behaftet?

Ausgelaugter Boden und Giftspritzerei

Baut man auf einer Fläche immer wieder dieselben Pflanzen an, ziehen diese auch immer dieselben Nährstoffe aus dem Boden bzw. sie führen dem Boden immer dieselben Stoffe zu. Immer der gleiche Dünger, immer die gleichen Fahrbahnen mit dem Traktor: Das führt langfristig zu einer Auslaugung und einseitigen Beanspruchung des Bodens. Nach einigen Jahren gedeihen auf diesem Feld die Pflanzen nicht mehr. Keine besonders nachhaltige Arbeitsweise, aber eine, die sich im Zuge der effizienteren Bewirtschaftung durchgesetzt hat.

Der zweite Grund:

Wenn Pflanzen in Monokulturen angebaut werden, sind sie umgeben von nichts als gleichen Pflanzen, die alle die gleichen Eigenschaften und Anfälligkeiten haben. Innerhalb von Monokulturen breiten sich Krankheiten sehr viel schneller aus, da es keine «natürlichen Barrieren» gibt, welche diese eindämmen. So wie wenn man eine Turnhalle voller Menschen hat und einer kriegt Magen-Darm-Grippe, aber keiner kann raus. Dann sind innerhalb von kürzester Zeit alle krank.

Das hat zur Folge, dass Monokulturen mehr Pflanzenschutz benötigen, um Ernteausfälle zu vermeiden. Auch dies: Ein nicht erwünschter Nebeneffekt des grossflächigen Anbaus.

Zurück zum Flickenteppich

Jahrelang hat sich die Landwirtschaft im Zuge der Effizienzsteigerung in diese Richtung entwickelt. Doch will man auch in Zukunft diese Böden noch nutzen können und vor allen Dingen eine immer grösser werdende Anzahl von Menschen dauerhaft ernähren, muss man dem Boden Sorge tragen.

Wie Urs Niggli (Noch-Direktor des Forschungsinstituts für Biologische Landwirtschaft FiBL) in einem Interview in der Zeit sagt, könnten diese Zeiten allerdings vorbei sein. Wollen wir unsere Produktionsgrundlagen auf längere Sicht erhalten, sollte man zurückkehren zu komplexen, aber nachhaltigen Produktionssystemen mit Mischkulturen.

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Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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