Zu Jucker Farm
Auszug Chronik
von Valérie

Die Jucker-Saga – Teil 2

Fast einen Monat ist es her, seitdem wir in Teil 1 angefangen haben, die Familiengeschichte der Juckers in Seegräben zu erzählen. Jetzt geht’s weiter:

Nachdem der Vater und der Grossvater von Walter Jucker (Grossvater von Beat und Martin Jucker) innert nur 3 Tagen gestorben waren, waren die beiden Frauen mit dem Hof, den 3 Kindern und den Angestellten auf sich allein gestellt.

Begraben wurden die beiden nebeneinander auf dem Friedhof in Seegräben, der gegen den Juckerhof hin angelegt ist. Vom Wohnhaus sah man direkt auf den Friedhof. «Noch heute sehe ich unsere Mutter und die Grossmutter am Grabe oder am Zimmerfenster weinen», schreibt Walter Jucker in der Familienchronik.

HILFE KAM…

Befreundete Familien schickten ihre jungen Erwachsenen Söhne und Töchter, um der Familie unter die Arme zu greifen.

In Waltenstein gab es eine Familie, aus deren Verwandtschaft es einen Burschen gab, dessen Vater ebenfalls früh verstarb. Dieser Bursche «Hermann» hatte Schreiner gelernt und kam zu den Juckers als Helfer. Wie es zu der Zeit üblich war, heiratete Walter Juckers Mutter diesen Hermann nach einigen Jahren.

So wurde Hermann der Stiefvater der 3 Jucker-Kinder. «Richtig Bauern hatte er nicht gelernt. Aber durch seine Arbeit und Lohn konnte unsere Mutter unser Heimwesen über Wasser halten».

…ZU EINEM HOHEN PREIS

Doch dieser Hermann war ein unangenehmer Zeitgenosse. Er hatte seinerseits keinen leichten Start ins Leben gehabt und war ohne Vater aufgewachsen. «Wegen einer Kleinigkeit konnte Hermann sich aufregen und kaum mehr beherrschen. Gott sei Dank hatten wir einen guten Nachbarn. Öfters konnte Vater Lüscher den tobsüchtigen Stiefvater beruhigen», schreibt Walter Jucker.

Bei schönstem Wetter am Sonntagnachmittag ging der Hermann jeweils in die «Linde» zum Jassen. Sehr oft soll er am Abend angetrunken und hässig nach Hause gekommen sein. Der Sonntagabend war bei der Familie gefürchtet.

Doch damit nicht genug. Das Jahr 1919 stellte auch andere Landwirte der Region auf die Probe. So ging die Maul- und Klauenseuche um. Damals wurde durchgeseucht. Das heisst, das Vieh wurde nicht abgeschlachtet. Im Stall stand dann ein altes Ruhebett für die nötigen Nachtwachen.

Ein Auszug des Schriftstücks, das Walter Jucker 1992 verfasst hat...

Pferde statt Ochsen als Arbeitstiere... (das Bild zeigt einen Lehrling).

DANK HERMANN ZU DEN PFERDEN

Etwas allerdings verdankte Ueli Jucker (Vater von Martin und Beat) dem guten Hermann dennoch: Den guten Draht zu den Pferden. Nach der Schreinerlehre soll Hermann in einer Fuhrhalterei geholfen haben und hatte den Umgang mit Pferden gelernt. So wurde dann auch ein Pferd anstelle eines Zugochsen gekauft. Hermann übernahm die Milchfuhre von der Sennhütte zur Station Aathal. Zweimal täglich musste die Milch nach Uster geführt werden. Der junge Ueli half ihm jeweils beim Pferde einspannen und Füttern. Mit 10 Jahren ritt Ueli erstmals alleine mit 2 Pferden nach Wetzikon.

Viele Jahre arbeitete der Hermann auch als Waldarbeiter im Staatswald. Eine Arbeit, die er liebte. Konnte er wegen der vielen Arbeit auf dem Hof mal nicht in den Wald, sei er «hässig und unausstehlich» gewesen. «Meine Mutter, ein Bursche und ich plagten uns lieber in Frieden miteinander, dass er auch in den Wald konnte», heisst es in der Familienchronik.

Es folgten schwierige Jahre zwischen den Kriegen. Wie das Bauernleben damals aussah, lest ihr im nächsten Teil…

 

Bisher erschienene Teile:

Teil 1 – frühes Familiendrama
Teil 2 – Hilfe von aussen zu einem hohen Preis
Teil 3 – das schwierige Leben zwischen den Weltkriegen
Teil 4 – blühendes Familienleben
Teil 5 – Turbulente Jahre und ein volles Haus
Teil 6 – Der "Jucker" war schon immer verrückt
Teil 7 - Abschied von Hermann
Teil 8 - Umbau und die junge Elsbeth
Teil 9 - Ueli übernimmt
Teil 10 - Jugend von Martin und Beat Jucker
Teil 11 - Die Erfindung der Kürbisausstellung

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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