Zu Jucker Farm
Schweizer Kichererbsen auf dem Feld
von Valérie

Kichererbsen aus der Schweiz

Es war im Corona-Jahr, als wir das erste Mal Kichererbsen anbauten. Das Ziel: Ein regionales Hummus aus eigenen Kichererbsen zu produzieren. Der erste Versuch auf 3 Hektaren glückte und wir konnten bereits im ersten Jahr 3 Tonnen ernten. Im Vergleich zu südeuropäischen Ernteerträgen eher mickrig, aber für uns hier in der Schweiz doch ein Achtungserfolg.

Dann kam der Sommer 2021 – wir erweiterten auf 13 Hektaren. Doch dieser Sommer was so nass und kalt, dass ein Anbau keine Chance hatte. In der Folge ging auch unser hofeigenes Hummus aus. 2022 wollten wir es wieder wissen und konnten rund 19 Tonnen ernten, die auf ca. 16 HA gewachsen waren.

Diese 19 Tonnen waren bei weitem mehr, als wir in einem Jahr brauchten. Und so haben wir noch etwas übrig. Doch die Erfahrung hat uns gelehrt, dass es wichtig ist, hier einen Puffer zu haben. Denn das Schweizerische Sommerwetter ist etwa so verlässlich wie ein Eichhörnli auf LSD. Und wenn wir zuverlässige Lieferanten sein wollen – unser Hummus ist auch bei Coop erhältlich – müssen wir hier Sicherheit schaffen. Auch 2023 haben wir Schweizer Kichererbsen angebaut und geerntet. Heuer allerdings nur rund 7 Hektaren.

Da unsere Kichererbsen getrocknet werden, können sie auch gut etwas gelagert werden, bis wir sie zu unserem feinen Hummus verarbeiten.

Warum sind Kichererbsen so ein Hype?

In der Öffentlichkeit wurden proteinhaltige Alternativen zu tierischem Eiweiss immer populärer. Immer mehr Leute möchten den Anteil an Fleisch, Milch und Eiern an ihrer Ernährung senken oder komplett durch pflanzliche Alternativen ersetzen. -Auch wenn der Anteil der sich konsequent vegetarisch ernährenden Bevölkerung auf tiefem Niveau bewegt (rund 5%), konsumierte gemäss Swissveg im Jahr 2022 über die Hälfte der Bevölkerung Fleischersatzprodukte (swissveg.ch). Das Interesse scheint grundsätzlich vorhanden zu sein. Hier kommen Kichererbsen ins Spiel.

Wie alle Hülsenfrüchte – also zum Beispiel Linsen, Erbsen oder Bohnen gelten sie seit jeher als sinnvolle Zutaten in einer ausgewogenen Ernährung, da sie nebst vielen Kohlenhydraten auch eine zünftige Menge Eiweiss mitbringen.

Umso besser wenn diese Kichererbsen aus der Schweiz kommen.

Kichererbsen Staude nach der Ernte

So sieht die Kichererbsenstaude kurz nach der Ernte aus.

Kichererbse im Feld

Kichererbse im Feld...

Kichererbse reif

...und reif und noch ungeschält nach der Ernte.

Kichererbsenernte mit dem Mähdrescher

Geerntet werden die Schweizer Kichererbsen mit dem Mähdrescher.

Schweizer Kichererbsen im Glas.

Unsere Schweizer Kichererbsen werden entweder eingemacht...

Dreierlei Sorten Hummus

...oder zu unserem hofeigenen Hummus verarbeitet.

Wie werden Kichererbsen angebaut?

Die kleinen runden Hülsenfrüchte mögen es eigentlich heiss und trocken. Das macht den Anbau in der Schweiz zugegeben zu einer Zitterpartie. Auch wenn unsere Sommer hier in der Tendenz wärmer und trockener werden – noch gibt es in unseren Breitengraden keine Garantie für Hitzesommer und es taucht auch immer mal wieder ein Sommer auf, in dem es wochenlang regnet, nass und kalt ist. Entsprechend hoch ist das Risiko im Anbau. Trotzdem halten wir vorerst daran fest. Zu cool ist es einfach, Kichererbsen aus Schweizer Anbau zu haben.

Denn wir waren in der Schweiz unter den ersten, die Kichererbsen angebaut und ein regionales Hummus hergestellt haben.

Zudem sei das Risiko im Anbau überschaubar geworden, sagt Sven Studer, landwirtschaftlicher Berater bei uns: «Wir haben die letzten Jahre einige Erfahrungen gesammelt. Das Unterfangen, Kichererbsen anzubauen, ist für uns nicht mehr so hoch wie auch schon. Aber ein Restrisiko bleibt immer. Das ist klar.»

Wie werden sie geerntet?

Kichererbsen werden mit dem Mähdrescher geerntet, so wie andere Eiweisserbsen auch. Das heisst: Wenn die Kichererbsen reif sind, fährt man einfach einmal durch, es wird alles abgesäbelt und bei der Ernte automatisch gedroschen, sprich die Erbsen werden grob von den übrigen Pflanzenresten getrennt.

Danach werden sie in der Getreidesammelstelle getrocknet. Zur Weiterverarbeitung in unserer HofManufaktur müssen sie dann nochmal eine Reinigungsstufe durchlaufen. Dies machen wir dann aber jeweils nach Bedarf.

Werden Kichererbsen regenerativ angebaut?

Unsere Kichererbsen werden noch nicht regenerativ angebaut. Hier stehen wir noch ganz am Anfang. Verlässliche Mengen liefern zu können ist hier unsere erste Herausforderung. So oder so handelt es sich aber um eine sehr extensive Kultur, das bedeutet, sie brauchen wenig künstliche Hilfe, um zu gedeihen. «Düngung ist normalerweise nicht nötig, ebenso wenig wie Fungizide oder Insektizide. Die Bekämpfung von Unkraut und die wettertechnischen Unsicherheiten sind eigentlich die grössten Herausforderungen im Anbau von Schweizer Kichererbsen.», sagt Sven Studer.

Unsere «Ceci», wie sie in Italien heissen und unser hausgemachtes Hummus eines jener Produkte, von denen wir besonders begeistert sind.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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