Zu Jucker Farm
Mob Grazing Schafe By Jucker Farm
von Valérie

Was ist Mob Grazing?

Wieder so ein Schlagwort, das man immer mal wieder hört, aber nicht so ganz genau weiss, was das eigentlich ist.

Wie das Wort schon verrät: Es ist ein Mob, bzw. eine Gruppe von Rindern die weidet.

Schön und gut, das ist ja eigentlich der Normalfall, oder?

Nicht ganz.

Prinzip: Kurz und intensiv

Der Begriff kommt aus dem Umfeld der regenerativen Landwirtschaft. Wie wir ja wissen, spielt die Integration von Tieren dort eine besonders wichtige Rolle.

Die Idee hinter dem Mob Grazing ist es, Tiere auf relativ engem Raum (mit so genannt «hoher Besatzdichte») für kurze Zeit weiden zu lassen, um sie dann auf den nächsten Fleck umzusiedeln. Die Idee stammt aus Amerika: Mit dem Mob Grazing wollte man die Bedingungen von herumziehenden Bisonherden imitieren.

Durch ihren kurzen Besuch auf der Weide fressen die Tiere nur den obersten Teil der Pflanzen ab. Das Wachstum der Pflanzen wird dadurch angeregt, ohne sie zu sehr zurückzustutzen und das organische Material an Ort und Stelle zu lassen. Die Wurzeln im Boden bleiben erhalten, Pflanzenreste werden niedergetrampelt und ihr Saft für die Bodenlebewesen verfügbar gemacht. Es ist eigentlich wie Mulchen, nur dass es sehr viel natürlicher geschieht. Dadurch, dass Pflanzenreste stehengelassen werden, bleibt der Boden auch vor dem Austrocknen geschützt.

Während ihrer Zeit auf der Weidefläche hinterlassen die Tiere auch ihre Exkremente, die ein hervorragender Dünger sind für den darunterliegenden Boden.

Grundsätzlich handelt es sich beim Mob Grazing um eine Aufwertungsmassnahme für den Boden. Innert kürzester Zeit kann der Anteil an organischem Material im Boden gesteigert werden.

Was ist der Unterschied zu einer normalen Weide?

Es gibt mehrere konkrete Unterschiede.

  • Anzahl Tiere pro Fläche
  • Dauer der Beweidung einer Fläche
  • Pflanzenwuchshöhe vor Beweidung

Während bei der normalen Weidehaltung die Kühe auf relativ grosser Fläche verteilt über eine längere Zeit grasen, bis wirklich alles abgefressen ist, kommt der «Mob» beim Mob-Grazing nur kurz, aber heftig vorbei und zieht danach weiter.

Der regenerativ arbeitende Bauer und Buchautor Gabe Brown spricht in seinem Buch «Aus toten Böden wird fruchtbare Erde» von einer Besatzdichte von bis zu 90'000 kg / HA. Das wären rund 100 Tiere pro Hektare, also 100 Tiere auf 100 x 100 Metern oder 10'000 m2. Bei einer normalen Schweizer Weidehaltung befinden sich vielleicht 20-30 Tiere auf der gleichen Fläche. Also nur 1/3 bzw. 1/5 der Tiere wie es beim Mob Grazing im Extremfall gehandhabt wird.

Eine normale Weidedauer auf derselben Fläche in der Schweiz beträgt rund 10-14 Tage. Beim Mob Grazing wird täglich einmal umgezogen.

Der dritte Unterschied betrifft die Wuchshöhe der Pflanzen: Beim Mob Grazing ist es wichtig, dass die Pflanzen eine grosse Wuchshöhe erreicht haben, bevor die Tiere auf die Weide kommen. Die Pflanzen sollten mindestens 20 cm hoch sein. Das ist so, damit die Pflanzen mehr Zeit haben, ihre Wurzeln auszubilden.

Zudem soll auf keinen Fall komplett abgegrast werden. Bis anhin galt in der konventionellen Viehhaltung das Credo: Möglichst alles abgrasen, damit das vorhandene Futter auf der Weide nicht verloren geht. Beim Mob Grazing ist das Stehenlassen von Pflanzenresten erwünscht. Die niedergetrampelten Pflanzenreste schützen den Boden vor Austrocknung und sind dem Humusaufbau zuträglich (landwirtschaftskammer.de)

 

Ein gutes Video zur Illustration:

 

Wäre so ein Konzept auch auf unseren Feldern vorstellbar?

 

Mob Grazing bei Jucker Farm

Bekanntlich halten wir keine Kühe. Ein systematisches Mob Grazing findet bei uns also (noch) nicht statt. Allerdings haben wir Schafe, die in unseren Obstanlagen auf dem Juckerhof als Rasenmäher funktionieren und auf dem Bächlihof in Jona sorgt ein Team von 3 Schweinen und einem Bataillon Hühner für Ordnung. Dies allerdings zwischen den Obstbäumen und nicht auf einem Feld. Trotzdem düngen unsere Tiere mit ihren Exkrementen unsere Anlagen, gemäht wird nicht mehr separat. Die Besatzdichte ist aber sicher zu klein, um wirklich von Mob Grazing sprechen zu können.

Grundsätzlich findet Sven Studer, unser Fachberater Landwirtschaft, das Konzept jedoch sehr spannend: «Wir haben schon Rinder von benachbarten Bauernbetrieben auf unseren Gründüngungen grasen lassen», erzählt er, «auch unsere Weidegänse lassen wir auf Untersaaten weiden. Die haben aber zu wenig Gewicht für ein richtiges Mob Grazing».

Die Besatzdichte in Amerika ist sehr hoch. Ob sich eine so hohe Besatzdichte mit den Schweizer Tierhaltungsvorschriften vereinbaren liesse, daran zweifelt Studer. «In der Weidehaltung gibt es zwar keinen Mindestanspruch an m2 pro Kuh und Tag. Im Stall gelten allerdings mindestens 12 m2 pro Tier. Das wäre wohl auch für die Weide das untere Limit. Mit dem oben gennannten Maximalbeispiel von 1000 Tieren pro Hektare würde man das nicht einhalten können. Allerdings würde Mob Grazing auch mit weniger Tieren funktionieren. Es wäre in der Schweiz also durchaus möglich», erklärt Studer.

Falls das bei uns dereinst Realität werden sollte, würden wir es euch natürlich wissen lassen.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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