Kürbissuppe
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Böser Plastik – oder doch nicht?

Fast alle Produkte, die wir kaufen, sind verpackt. Egal ob man im Detailhandel einkauft oder direkt beim Bauern im Hofladen. Für die meisten Produkte ist eine Plastikverpackung die einfachste Variante – doch Plastik hat einen sehr schlechten Ruf. Zurecht? Schauen wir uns das mal genauer an…

Wozu verpacken?

Zuerst einmal – wieso braucht es überhaupt Verpackungen? Erstens dient eine Verpackung dazu, dass ein Produkt transportierbar ist. Von der Suppe über Müesli zu Teigwaren – ohne Gefäss wird es schwierig, diese Artikel zu transportieren oder zu lagern. Zweitens schützen Verpackungen das Produkt vor Verunreinigungen und verlängern vielfach dessen Haltbarkeit. Es gibt aber auch Produkte, die unnötigerweise verpackt sind… Gerade Frischprodukte sind ja von Natur aus durch z.B. eine Schale oder eine Haut geschützt. Eine Banane zu schälen und wieder in Plastik zu verpacken ist schlicht und einfach Unsinn. Zum Glück gibt es hierzulande noch sehr wenige solche Verpackungsdummheiten.

Als Bauernhof verkaufen wir unsere Frischprodukte grundsätzlich unverpackt, mit Ausnahme z.B. von den Beeren. Erdbeeren sind leider zu heikel, als dass man sie im Offenverkauf anbieten könnte – zu leicht würden sie beschädigt werden - der Food Waste wäre gross. Deshalb pflücken unsere Erntehelfer die Beeren direkt in die Kartonschälchen.

Doch die in der HofManufaktur weiterverarbeiteten Produkte, wie z.B. die Teigwaren, Suppen oder Konfitüren werden verpackt verkauft. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil einer Verpackung; die Beschriftung. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, gewisse Angaben auf dem Produkt ersichtlich zu machen. Sei es die Menge, Nährwerte, Zutaten, Mindesthaltbarkeitsdatum etc. Wir achten darauf, dass wir möglichst wenig Plastik bei den Verpackungen unserer Produkte verwenden und weichen auf Glas, Papier oder Karton aus. Allerdings ist das nicht immer möglich und auch nicht immer sinnvoll. Plastik hat sowohl Nach- wie auch Vorteile...

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Die Vor- und Nachteile von Plastik

Plastik hat viele Vorteile. Eine Plastikverpackung ist leicht, was in tieferem Spritverbrauch beim Transport resultiert – ganz im Gegensatz zu Glas. Plastik ist sehr flexibel einsetzbar, da man praktisch jede erdenkliche Form herstellen kann. Zudem ist die Herstellung vergleichsweise sehr günstig und energiesparend. Plastik ist auch vorteilhaft für die Haltbarkeit vieler Produkten. Und gerade bei PET ist das Recycling - besonders in der Schweiz - schon ziemlich weit fortgeschritten. So viele Vorteile, warum also das schlechte Image?

Das Problem ist primär, dass viel Plastik in der Natur statt in der Recyclinganlage landet. Laut dem WWF schwimmen aktuell 86 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Dabei handelt es sich nicht nur um Verpackungsmaterialien, aber auch. Einerseits verheddern sich Meerestiere in diesem Plastik oder verspeisen ihn versehentlich und verhungern dann mit einem Magen gefüllt von Plastik. Andererseits ist der sogenannte Mikroplastik, also kleinste Plastikpartikel, schädlich für das Ökosystem, Tier und Mensch. Wie entsteht dieser Mikroplastik? Er ist z.B. in diversen Kosmetikprodukten enthalten oder wird durch die Zersetzung von Plastik ins Wasser abgegeben. Und so gelangt der Plastik in unseren Organismus. Jeder Mensch nimmt über Nahrungsmittel, Kleidung, das Wasser und sogar die Luft pro Woche rund 5 Gramm Plastik auf – das ist etwa die Grösse einer Kreditkarte. Die gesundheitlichen Folgen sind noch nicht abzuschätzen (Quelle: faz.net).

Trotz aller Vorteile – Plastik wird also nicht ganz zu Unrecht verteufelt… Doch sind die Alternativen denn besser?

Die Alternativen

Statt Plastik benutzen viele Hersteller – auch wir – Glas. Der Wermutstropfen: Glas muss rund 30 mal wiederverwendet werden, um die gleich gute Ökobilanz zu erreichen wie Plastik (wir berichteten Her mit den Gläsern). Glas ist schwer, weniger flexibel, teurer – aber einfach und für jedermann/frau wiederverwendbar (z.B. zum Einmachen, für To-Go-Menüs etc.). Recycling und Reusing sind hier die Zauberworte!! Ausserdem enthält Glas keine Stoffe, die so schädlich sind für Gesundheit und Umwelt wie Plastik.

Karton ist ebenfalls eine beliebte Alternative. Grundsätzlich spricht nichts gegen Papier oder Karton – der Rohstoff zur Herstellung ist nachwachsend und die Recyclingquote ist sehr hoch. Auch ist Karton leicht und spart somit Benzin beim Transport. Aber auch hier gibt es Nachteile… Die Haltbarkeit der verpackten Produkte (z.B. Beeren) ist teilweise nicht so lange, wie wenn sie in Plastik eingepackt wären. Bei Kartonverpackungen gelangen wir jedoch immer wieder an den Punkt, an dem die Sichtbarkeit des Produkts zum Problem wird. Wer z.B. frische Beeren kauft, möchte sie genau ansehen können. Sind sie reif? Frisch? Haben sie schon einen «Tätsch»? Die Lösung ist hier vielfach ein Sichtfenster aus Plastik, was ein direkter Widerspruch zur ursprünglichen Idee ist. Ausserdem ist der Rohstoff Karton zwar nachwachsend, aber die Frage ist; ist die Produktion nachhaltig?

Hier kommen weitere Alternativen ins Spiel. Sogenannte Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie PLA (Polymilchsäuren), Cellulose etc. Sie sind trendig und erwecken den Anschein, super ökologisch zu sein. Biologisch abbaubar, aus nachwachsenden Rohstoffen etc. Das stimmt natürlich. Aber auch hier die Frage; wie werden die Rohstoffe angebaut? Welche Pflanzenschutzmittel werden verwendet? Woher werden die Rohstoffe eingeflogen? Werden sie in Monokulturen angebaut die z.B. Regenwälder verbannen? Etc.

Hofladen Konfitüre

Glas ist eine beliebte Alternative zu Plastik. Aber auch Glas hat seine Nachteile!

Kürbiskerne mit Zimt

Bei gewissen Produkten ist z.B. wegen der Haltbarkeit eine Plastikverpackung ideal.

Dinnair Verpackt

Dinnair ist ein Beispiel, dass "Unverpackt" viele Hürden zu überwinden hat...

Unverpackt

Ist also unverpackt die Lösung? Läden, die unverpackte Lebensmittel anbieten, boomen. Auch wir evaluieren ständig, was wir unverpackt anbieten könnten. Dies ist jedoch eine grosse Herausforderung. Wir hatten lange die gebrannten Kürbiskerne im Offenverkauf. Nicht nur einmal hatten wir Schädlingsbefall und mussten den gesamten Inhalt einfach wegschmeissen. Auch die Haltbarkeit kann im Offenverkauf sehr schlecht kontrolliert werden. Deshalb verkaufen wir die Kerne wieder in einer Verpackung. Einerseits schade, andererseits kann so FoodWaste vermieden werden.

Neben praktischen gibt es auch amtliche Hürden für den Verkauf von unverpackten Produkten, wie folgendes Beispiel zeigt:

Peter Zihlmann, unser Hofkoordinator und Gründer von Dinnair, hat einen neuen Weg im Unverpackt-Geschäft gewählt. Die Idee; frisch zubereitete Produkte ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe wie z.B. Empanadas oder Chäschüechli, gefroren und unverpackt verkaufen. Auch bei uns auf den Höfen stehen Dinnair-Truhen – wir haben das Konzept bereits auf dem FarmTicker vorgestellt: Familienzuwachs in Form einer Tiefkühltruhe. Das Projekt wurde 2019 vom kantonalen Labor in Schwyz geprüft und für gut befunden. Mehrere Inspektoren aus diversen Kantonen bestätigten dies im Laufe der Monate. Nun hat vor kurzem ein Lebensmittelprüfer aus dem Kanton Zürich einen Abschnitt im Gesetz entdeckt, der besagt, dass der Verkauf von gefrorenen Produkten nur mit Verpackung erlaubt ist. Widerspruch zwecklos. Deshalb werden die Dinnair-Produkte nun portioniert und verpackt verkauft…

Fazit

Das Thema Verpackung begleitet uns täglich bei der Entwicklung neuer Produkte. Es ist ein ständiges Abwägen zwischen Nachhaltigkeit, Haltbarkeit, Hygiene, Preis und Optik. Die perfekte Lösung haben wir noch nicht gefunden, sind jedoch sehr offen für Vorschläge und Anregungen. Schreibt uns doch eure Meinung zu dem Thema: in die Kommentarspalte, auf Social Media oder per E-Mail an marketing@juckerfarm.ch.

 

P.S. Ich habe mit Thomas Dietiker für die neuste FarmTalk-Podcast Folge interviewt und ihn zu diesem Thema befragt. Hört doch mal rein:

Nadine kam von der Bank zum Bauernhof. Sie ist seit 2016 Marketing- und Kommunikationschefin bei Jucker Farm. Ihre Spezialität ist die digitale Kommunikation. Neben Ihrem Job reist sie leidenschaftlich gerne (Zum Portrait).

Beiträge von Nadine
Ein Kommentar zu “Böser Plastik – oder doch nicht?”
    Phil

    Toller, objektiver Beitrag! Der blinde Aktionismus gegen Kunststoff nervt mich etwas. Was am Ende des Tages zählt, ist die Ökobilanz. Und diese ist bei vielen (Einweg-)Glas- und Kartongebinden schlechter als bei Kunststoff. Für mich ist lokal und mehrfach wiederverwendbar bzw. rezyklierbar wichtig.

    Antworten

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