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«Hofnarr» Silvan

Wenn unsere Gäste ein Gesicht kennen, dann sicher das von Silvan. Seit Mai letzten Jahres trifft man ihn auf und um den Hofplatz des Juckerhof an. Das ist so, weil er als «Hofarbeiter» und «Mädchen für alles» vor allem da zu tun hat: Stühle und Bänke verschieben, Sachen flicken, Wischen oder im Winter den Schnee wegräumen: Was auch immer gerade ansteht – dafür ist Silvan zuständig.

Doch dass er sich bei der Arbeit «dreckig» macht, ist eigentlich eher neu. Gestartet ist er mit einer Lehre als Sportartikelverkäufer. Damals hätte er sich nie vorstellen können, in einem Beruf zu arbeiten, der draussen ist und bei dem man auch mal schmutzig wird.

Umso spannender ist es zu erfahren, wie er schlussendlich ausgerechnet bei uns auf dem Bauernhof gelandet ist. Und nicht nur das: Silvan hält auch sonst noch einige Überraschungen bereit.

SEIT WANN bist du auf dem Juckerhof tätig?

Seit 17. Mai 2021.

WAS IST DEIN JOB?

Den Job, den ich hier mache, gibt es so eigentlich nicht. Den kann man nirgends lernen. Ich bin so ein Tausendsassa: Hauswart trifft es wohl am ehesten. Aber abgesehen davon bin ich auch dafür da, Seminare- und Hochzeiten einrichten: Also Stühle, Tische und Bänke auf- und abzubauen, bzw. die richtige Sitzordnung herzustellen. Mein Job ist es, die Infrastruktur in Schuss halten und für unsere Gäste bereitzustellen und dann wieder zu versorgen.

Warum bist du zuerst Sportartikelverkäufer geworden?

Ganz ehrlich: Ich habe mich damals für diese Lehre entschieden, weil ich ein fauler, bequemer Mensch war. Schön sauber musste es sein. Die Lehre hat mir dann eigentlich auch gefallen. Doch mit dem Job kannst du einfach keine Familie ernähren. Nur: Das checkst du halt nicht mit 16. Der einzige Weg, im Verkauf genügend zu verdienen, wäre als Verkaufsleiter. Aber dann arbeitest du so viel, dass du deine Familie eh nicht siehst. Längerfristig hat mir da einfach die Perspektive gefehlt. Drum bin ich dann ins Wallis.

Und das war eine ganz andere Welt: Ich war immer draussen. Es war kalt und oft eben auch dreckig. Dort habe ich bei den Bergbahnen am Kinderbügellift gearbeitet und habe im Kinderskipark Hauswartsarbeiten gemacht. In dieser Zeit habe ich mich sehr verändert und da erst mein handwerkliches Flair entdeckt. Eigentlich war’s mein Traumjob. Aber meine Familie und Freunde haben mir gefehlt. Drum bin ich dann zurückgekommen.

WIE BIST DU BEI JUCKER FARM GELANDET?

Eigentlich durch Reto. Er wusste, dass ich auf der Suche nach einer handwerklichen Stelle bin und hat mich sozusagen «verkuppelt».

WAS GEFÄLLT DIR HIER?

Die Aussicht! Die ist einfach göttlich. Das ist das erste was ich am Morgen mache, wenn ich auf den Hof komme: Ich stelle mich auf den Seeblick.

Das zweite ist das Team. Ich hatte noch an keinem Ort, an dem ich arbeitete, so ein cooles Team und so eine gute Arbeitsatmosphäre. Du fühlst dich als Teil einer grossen Familie. Ich hatte noch keinen Monat gearbeitet, da war ich schon in diversen Chats drin und zu einem privaten Pokerturnier eingeladen worden. Auch, dass man immer zusammen Zmittag ist und sich unterhält, das kenne ich so nicht. Das macht so viel aus. Da kommst du einfach am Morgen schon gerne, weil du dich auf die Leute freust.

WAS gefällt dir nicht so?

Den Vegi-Donnerstag. Ich esse dafür einfach viel zu gerne Fleisch 😊. Und ausgerechnet immer am Donnerstag habe ich am meisten Lust auf einen Fetzen Fleisch. Aber die Leute lieben’s ja…

Welche lustige Anekdote aus dem Arbeitsalltag hast du?

Wenn irgendwas kaputt ist, heisst es mittlerweile immer: «Hey Silvan, chasch mal cho?» Eines Tages ging das Velo von einem kleinen Jungen direkt vor der Werkstatt kaputt und ich habe es ihm rasch geflickt. Doch plötzlich hatte sich da eine Schlange von Leuten gebildet, die auch ihr Velo bei mir flicken wollten 😊. Sie dachten, wir hätten hier einen Reparaturservice. Da musste ich sie dann enttäuschen.

Ich flicke gerne Sachen. Weil man dann sieht, was man gemacht hat.

Was ist dein liebstes Jucker-Produkt?

Die Rösti! Die ist der absolute Hammer. Und ich habe 6 Monate lang im Skigebiet gearbeitet und jede Woche irgendwo Rösti gegessen - ich weiss, wovon ich rede. Manchmal komme ich extra deswegen am Sonntag hier brunchen.

WAS MACHST DU AM LIEBSTEN in deiner Freizeit?

Kommt drauf an. Es gibt faule Tage, an denen ich mich gar nicht bewege. Sonst mit dem Hund laufen. Oder ich geh mit den Kollegen American Football spielen. 2-3-mal pro Woche ist Training, aber wir gehen auch oft privat.

HAST DU ZUKUNFTSTRÄUME, DIE DU UNS VERRATEN MAGST?

Beruflich gar keine. Hauptsache ich bin zufrieden.

Aber privat habe ich eins: Ich möchte unbedingt mal eine Familie haben: Frau und Kind und die auch ernähren können. Jetzt fehlt nur noch die Frau dazu 😉.

Ich kann gut mit Kindern. Als ich vom Wallis zurückgekommen bin, habe ich ein Praktikum gemacht in einer heilpädagogischen Schule mit beeinträchtigen Kids. Das war eigentlich super, aber die privaten Situationen der Kids haben mich zuhause zu fest beschäftigt. Ich konnte zu wenig abschalten.

Wen sollen wir als nächstes vorstellen?

Michi aus dem Obstbau.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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